Titanblech Grade 2 (3.7035) – Reintitan Platten 0.3–8mm nach Maß

Werkstoff Grade 2 (3.7035) – Zusammensetzung, Gefüge und Normung

Grade 2 ist ein unlegiertes Titan, das heißt: Es werden keine gezielten Legierungselemente zugefügt. Die mechanischen Eigenschaften werden allein durch den Gehalt an interstitiellen Elementen – vor allem Sauerstoff – gesteuert. Je höher der Sauerstoffgehalt, desto fester, aber auch sprder das Titan. Grade 2 liegt mit einem Sauerstoffmaximum von 0,25 % im optimalen Bereich zwischen weichem Grade 1 und dem festeren, aber weniger umformbaren Grade 3.

Chemische Zusammensetzung nach ASTM B265 Grade 2

Die folgende Zusammensetzung ist die Maximalgehaltsspezifikation nach ASTM B265. Der Nominalgehalt von Titan ergibt sich als Rest aller Elemente:

  • Sauerstoff(O): max. 0,25 % – wichtigster Festigkeitssteller; über 0,30 % sinkt die Duktilität stark
  • Stickstoff(N): max. 0,03 % – wirkt ähnlich wie Sauerstoff,versprdödet das Gefüge stark
  • Kohlenstoff(C): max. 0,08 % – Bildung von TiC-Karbiden möglich;erhöht Festigkeit, senkt Zähigkeit
  • Wasserstoff(H): max. 0,015 % – kritisch: bereits 0,02 % Hkönnen Wasserstoffverspödung verursachen
  • Eisen (Fe):max. 0,30 % – aus dem Kroll-Prozess stammende Verunreinigung; bei über 0,5 % bilden sich sprödeIntermetallika
  • Titan (Ti):Rest, mindestens 99,2 % in der Summe

Wichtig: Grade 2 und Grade 1 unterscheiden sich primär im Sauerstoffgehalt (Grade 1: max. 0,18 % O). Grade 1 ist weicher und duktiler, Grade 2 ist fester und die meistverwendete Wahl für technische Anwendungen. Für Implantate in der Medizintechnik gibt es eine Sondervariante Grade 4 mit höherem Sauerstoffgehalt (bis 0,40 %) für noch höhere Festigkeit bei erhaltenem Biokompatibilitätsnachweis.

Gefüge und Kristallstruktur von Grade 2

Das Verständnis der Kristallstruktur von Titan ist wichtig für das Verständnis seiner Eigenschaften und seiner Verarbeitbarkeit. Titan existiert in zwei allotropen Modifikationen:

  • Alpha-Titan (α-Ti): hexagonale Gitterstruktur (hdp), stabil unterhalb 883°C; geringe Duktilität in bestimmten Richtungen durch Textureffekte
  • Beta-Titan (β-Ti): kubisch-raumzentriertes Gitter (krz), stabil oberhalb 883°C (β-Transus); duktiler und besser umformbar Grade 2 ist ein reines Alpha-Titan bei Raumtemperatur – keine β-Phase im Gefüge
  • Alpha-Gefüge: gut schweissbar, keine Härtung durch Wärmebehandlung möglich (nur Glühen als Wärmebehandlung sinnvoll)
  • Textur durch Walzen: Kaltgewalztes Blech hat anisotrope Eigenschaften (richtungsabhängige Festigkeit und Dehnung) – relevant für Tiefziehanwendungen

Normung und internationale Äquivalenzen

Grade 2 ist weltweit nach verschiedenen Normen spezifiziert, die alle dieselbe Legierung beschreiben, aber unterschiedliche Prüfanforderungen stellen. Beim Kauf von Titanblech ist die Kenntnis der relevanten Norm wichtig:

  • ASTM B265: Amerikanische Norm für Titanblech, -band und -platte – international am häufigsten im Handel verwendet
  • EN 10028-7 / EN 586: Europäische Norm für Druckbehälterstahl (Titan wird analog behandelt)
  • DIN 17860: Deutsche Norm für Titanbleche – inhaltlich weitgehend durch ASTM B265 abgelöst
  • AMS 4902: Luft- und Raumfahrtnorm der SAE – strengere Prüfanforderungen, spezielle Zertifikate
  • ISO 5832-2: Medizintechniknorm für Titan-Implantatwerkstoffe (Reintitan)
  • MIL-T-9046: Militärische Spezifikation für Titanbleche – für Verteidigungsanwendungen
  • RUS-Norm GOST: Russische Entsprechung VT1-0 (entspricht Grade 1) und VT1-00; nicht identisch mit Grade 2

Das Evek Titanblech Grade 2 wird mit Werkstoffzeugnis nach EN 10204 Typ 3.1 geliefert. Für Luftfahrt- oder Medizintechnikprojekte, die AMS 4902 oder ISO 5832-2 erfordern, kontaktieren Sie bitte das Evek-Vertriebsteam.

Mechanische und physikalische Kennwerte – alle relevanten Werte im Detail

Die präzise Kenntnis der Werkstoffkennwerte ist Voraussetzung für eine sichere Bauteilauslegung. Die folgenden Werte gelten für Titanblech Grade 2 im geglühten Lieferzustand nach ASTM B265, wie es beim Evek-Produkt Titanblech geliefert wird.

Mechanische Eigenschaften (Mindestwerte nach ASTM B265)

Festigkeit und Dehnung:

  • Zugfestigkeit Rm: min. 345 MPa, typisch 415–515 MPa – vergleichbar mit S235-Baustahl (360–510 MPa)
  • Streckgrenze Rp0,2: min. 275 MPa, typisch 310–380 MPa – ca. 75 % der Zugfestigkeit
  • Streckgrenzverhältnis Rp/Rm: 0,75–0,80 – günstig für statisch belastete Bauteile
  • Bruchdehnung A₅₀: min. 20 %, typisch 25–35 % – gute Umformbarkeit
  • Brucheinschnürung Z: typisch 35–45 % – duktiles Versagensbild

Härte und Steifigkeit:

  • Vickers-Härte HV: 145–200 HV – härter als Aluminium, weicher als austenitischer Edelstahl
  • Brinell-Härte HB: 135–185 HB
  • Elastizitätsmodul E: 103–107 GPa – ca. 50 % von Stahl (210 GPa); beachten: Bauteile verformen sich elastisch mehr als Stahlkonstruktionen gleicher Geometrie
  • Schermodul G: ca. 40 GPa
  • Querkontraktionszahl ν: 0,34

Ermüdung und Dauerfestigkeit:

  • Dauerfestigkeit σD (Biegewechsel, R=-1): ca. 200–250 MPa – ca. 55–60 % der Zugfestigkeit
  • Kerb-Ermüdungsfestigkeit: signifikant niedriger – Oberfläche und Kerben vermeiden
  • Titan hat keine ausgeprägte Dauerfestigkeitsgrenze (wie Stahl) – Ermüdungskurve fällt kontinuierlich ab

Physikalische Eigenschaften von Grade 2

Dichte und thermische Eigenschaften:

  • Dichte: 4,508 g/cm³ bei 20°C – 57,4 % der Dichte von Stahl (7,85 g/cm³)
  • Schmelzpunkt: 1668°C – höher als austenitischer Edelstahl (1400–1450°C)
  • Thermische Leitfähigkeit: 21,9 W/(m·K) bei 100°C – deutlich geringer als Stahl (50 W/(m·K)); relevant für Schnittwärme bei der Zerspanung
  • Spezifische Wärmekapazität: 520 J/(kg·K) bei 20°C
  • Thermischer Ausdehnungskoeffizient: 8,6·10⁻⁶/K bei 20–100°C – niedriger als Stahl (12·10⁻⁶/K) und Aluminium (23·10⁻⁶/K)

Elektrische Eigenschaften:

  • Elektrische Leitfähigkeit: 2,4 m/(Ω·mm²) – sehr schlechter Leiter (Kupfer: 58; Edelstahl: 1,4–1,8); Titan eignet sich nicht für leitende Anwendungen
  • Spezifischer elektrischer Widerstand: 0,420 μΩ·m bei 20°C
  • Magnetisierbarkeit: praktisch nicht ferromagnetisch – MRT-kompatibel, keine Beeinflussung von Magnetfeldern

Spezifische Festigkeit – Warum Titan so besonders ist

Die spezifische Festigkeit (Festigkeit geteilt durch Dichte) ist die entscheidende Kenngröße für gewichtskritische Anwendungen. Hier übertrifft Titan Grade 2 alle gängigen Konstruktionsmetalle:

  • Titan Grade 2: 345 MPa / 4,51 g/cm³ = 76,5 kN·m/kg
  • Baustahl S235: 235 MPa / 7,85 g/cm³ = 29,9 kN·m/kg
  • Edelstahl 1.4301 (304): 210 MPa / 7,93 g/cm³ = 26,5 kN·m/kg
  • Aluminium EN AW-5052: 190 MPa / 2,68 g/cm³ = 70,9 kN·m/kg
  • Fazit: Titan Grade 2 ist spezifisch 2,5× fester als Baustahl und noch fester als Edelstahl – bei fast halber Dichte

Korrosionsverhalten von Titanblech Grade 2 – warum Titan kaum korrodiert

Die außergewöhnliche Korrosionsbeständigkeit von Titan Grade 2 ist einer der Hauptgründe für seinen Einsatz in aggressiven Umgebungen. Sie basiert auf einem einzigen Phänomen: der spontanen Bildung einer dichten Titandioxid-Schicht (TiO₂) an der Metalloberfläche, sobald Titan mit Sauerstoff in Berührung kommt. Diese Schicht ist nur 3 bis 10 Nanometer dünn, aber extrem hart, haftfest und chemisch inert.

Die TiO₂-Passivierungsschicht im Detail

  • Selbstheilung: Wird die Schicht mechanisch beschädigt, regeneriert sie sich sofort an Luft oder in wässrigen Medien – innerhalb von Millisekunden
  • Dicke: 3–10 nm im Neuzustand; wächst auf 30–100 nm in aggressiven Medien an
  • Härte: Härter als das darunter liegende Titan – TiO₂ hat eine Härte von ca. 800–1200 HV (Rutil-Phase)
  • Chemische Stabilität: TiO₂ ist gegen die meisten Säuren, Basen und Salzlösungen beständig
  • Elektrisch isolierend: Die Oxidschicht isoliert das Metall elektrisch – verhindert Lochfraß durch galvanische Elemente

Beständigkeit in verschiedenen Medien – ein praxisnaher Überblick

Ausgezeichnete Beständigkeit (kein nennenswerter Angriff):

  • Meeresklima und Salzwasser: Titan zeigt praktisch null Korrosion – auch nach Jahrzehnten keine Pittingkorrosion
  • Salpetersäure (HNO₃) bis 65 %: Sehr gut beständig; bei höheren Konzentrationen und Temperaturen prüfen
  • Phosphorsäure (H₃PO₄) verdünnt: Gut beständig bis ca. 50 % Konzentration bei Raumtemperatur
  • Chromverbindungen: Ausgezeichnet beständig gegen Chromatsäure und -lösungen
  • Chlorgas und wässrige Chloride: Sehr gut in Flüssigkeit; in trockenem Chlorgas über 200°C prüfen
  • Organische Säuren (Essigsäure, Citronsäure, etc.): Ausgezeichnete Beständigkeit
  • Oxidationsmittel (H₂O₂, Permanganat): Sehr gut beständig; TiO₂ wird durch Oxidation sogar stabilisiert

Eingeschränkte Beständigkeit (Prüfung erforderlich):

  • Salzsäure (HCl): Verdünnt (<20 %) bei Raumtemperatur akzeptabel; konzentriert oder heiß angreifend
  • Schwefelsäure (H₂SO₄): Bis ca. 5 % bei Raumtemperatur; bei höherer Konzentration oder Temperatur problematisch
  • Reduzierende Säuren bei hohen Temperaturen: TiO₂-Schicht kann zerstört werden
  • Methanol mit Spuren von HCl: Kann zu Spannungsrisskorrosion führen – wichtig für Kraftstoffsysteme

Nicht geeignet (starker Angriff):

  • Flusssäure (HF): Zerstört die TiO₂-Schicht chemisch – Titan löst sich auf; auch HF-haltige Gemische vermeiden
  • Konzentrierte Salzsäure über 60°C: Signifikante Korrosion
  • Trockenes Chlorgas über 200°C: Titanfeuergefähr (Pyrophoreffekt möglich)
  • Flussäure und ähnliche Fluorverbindungen: Grundsätzlich vermeiden

Titanblech 1mm, 2mm, 3mm – das Dickenspektrum und seine Anwendungen

Das Titanblech Grade 2 bei Evek deckt Dicken von 0,3 bis 8 mm ab. Jede Dickenstufe hat ihre typischen Einsatzgebiete, bevorzugten Verarbeitungsverfahren und spezifische Anforderungen an Werkzeuge und Prozessparameter. Die folgende Aufschlüsselung hilft dabei, die richtige Dicke für Ihr Projekt zu finden.

Dünnblech 0,3–1 mm – Leichtbau und Präzisionsteile

Im Dünnblechbereich bis 1 mm dominieren Anwendungen, bei denen geringstes Gewicht und maximale Korrosionsbeständigkeit auf eng begrenztem Bauraum vereint werden müssen.

0,3–0,5 mm – Folienblechbereich:

  • Elektrochirurgische Instrumente: Hülsen und Abschirmbleche mit höchster Biokompatibilität
  • Herzschrittmachergehäuse (Halbschalen): Tiefgezogen aus 0,4–0,5 mm Grade 2
  • Wärmetauscher-Lamellenbleche: Dünnste Bleche in kompakten Meerwasser-Wärmetauschern
  • Abgasanlagen-Hitzeschilde: Ultraleichte Abschirmung gegen Strahlungswärme

Titanblech 1 mm – der Standardbereich:

  • Gehäusebleche für elektronische Instrumente in aggressiver Umgebung (Offshore, Labor)
  • Verkleidungsbleche in der Chemie- und Prozessindustrie
  • Implantatgehäuse und Schalen in der Medizintechnik
  • Auspuffsysteme im Rennsport: Titanblech 1 mm spart 40–60 % Gewicht vs. Edelstahl
  • Architekturverkleidungen: Fassadenbleche für Küstengebäude ohne Wartungsaufwand

Titanblech 2 mm und 3 mm – der meistverwendete Strukturbereich

Titanblech 2 mm und Titanblech 3 mm sind die am häufigsten bestellten Dicken im Evek-Sortiment für Grade 2. Sie bieten das ideale Gleichgewicht aus Eigensteifigkeit, Umformbarkeit und tragfähigem Querschnitt.

Titanblech 2 mm – Struktur und Druckbehälterbau:

  • Reaktorauskleidungen: Innenbleche für chemische Reaktoren mit aggressiven Medien
  • Druckbehälterwände (kleine Nenndrucke): Wände für Behälter bis ca. 10 bar
  • Meerwasser-Filtrationsanlagen: Gehäusebleche für Umkehrosmoseanlagen
  • Schiffbauprojekte: Seewasserfeste Abdeckungen und Verkleidungen im Unterwasserbereich
  • Titan Blech 2mm Preis: etwas höher als 1 mm durch größeren Materialanteil, aber geringere Walzkosten pro kg

Titanblech 3 mm – Halbzeug für Apparate- und Anlagenbau:

  • Flanschplatten: Zuschnitte als Rohlingsbasis für gedrehte oder gefräste Flansche
  • Rohrleitungssstützen und Halterippen: Strukturelemente in Titan-Rohrleitsystemen
  • Wärmetauscher-Trennplatten: Zwischenvände in Plattenwärmetauschern für aggressive Medien
  • Prototypen-Strukturteile: CNC-Frästeile für Funktionsmuster in Luft- und Raumfahrt-Vorentwicklung
  • Titan Blech 3mm: bestausgewogene Kombination aus Dicke, Gewicht und Bearbeitbarkeit im Grade 2-Spektrum

Titanplatte 4–8 mm – massive Querschnitte für tragende Konstruktionen

Ab 4 mm spricht man technisch korrekt von einer Titanplatte. Diese Dicken werden bevorzugt als CNC-Frässrohlinge, Flanschplatten oder dicke Druckbehälterböden eingesetzt. Die Zerspanung ist aufwendiger, dafür können tiefere Taschen, Gewindebohrungen und komplexe Konturen realisiert werden.

  • 4 mm: CNC-Fräsrohlinge für medizinische Implantateträger, Meerwasserventilgehäuse, Pumpendeckel
  • 5 mm: Druckbehälterboden für mittlere Nenndrucke, Rohrflansche DN50–DN100
  • 6 mm: Schwere Anlagenkonstruktionen in der Chloralkali-Elektrolyse, Elektrodenträgerplatten
  • 8 mm: Maximale Dicke im Evek-Sortiment für Grade 2; für tragende Strukturen in Seepräsenz-Anlagen

Anwendungsgebiete von Titanblech Grade 2 – branchenspezifischer Überblick

Medizintechnik und Implantologie

In keiner anderen Branche ist die Biokompatibilität von Titan so entscheidend wie in der Medizintechnik. Grade 2 ist das Reintitan mit höchster Biokompatibilität, da keine Legierungselemente wie Aluminium oder Vanadium (wie bei Grade 5) vorhanden sind, die potentiell cytotoxisch sein könnten.

  • Zahnimplantate: Überwiegend Grade 4 (höhere Festigkeit), aber Grade 2 für Abutments und niedrig belastete Teile

  • Knochenplatten und Osteosyntheseschrauben: Titanblech Grade 2 als Stanzrohling nach ISO 5832-2

  • Herzschrittmacher- und Defibrillator-Gehäuse: Tiefgezogene Schalen aus 0,4–0,5 mm Grade 2

  • Chirurgische Instrumente: Halterungen, Klemmen, Spreizer aus 0,5–1,5 mm – autoklavierbar ohne Qualitätsverlust

  • Wirbelsäulenimplantate (Cages): Grade 2 als Basis, häufig mit rauer Oberfläche für bessere Osseointegration

  • Dentaltechnik: Gerüstplatten für Zahnbrücken und Kronen aus 0,3–0,6 mm Titanblech, CAD/CAM-gefräst

Chemische Industrie und Verfahrenstechnik

In der chemischen Verfahrenstechnik ist Titanblech Grade 2 die wirtschaftlichste Lösung für Anlagen, die chlorhaltige, oxydierende oder salzhaltige Medien führen, bei denen Edelstahl zu schnell versagt.

  • Chloralkali-Elektrolyse: Titananoden-Trägerplatten, Kathodenkonstruktionen – beständig gegen Chlor, NaOH und Lauge
  • Salpetersäure-Herstellung (Absorption): Titanwände in Absorptionstürmen – HNO₃ greift Edelstahl an, Titan kaum
  • Titandioxid-Herstellung (TiO₂-Pigment): Reaktorauskleidungen in der Chlorid-Route-Produktion
  • Meerwasserentsalzung: Verdampferkammern, Rohrböden und Zwischentrennwände aus Titanblech
  • Pharmazie: Reaktorbehälter und Leitungsauskleidungen für oxidative Syntheseprozesse
  • Zellstoff- und Papierindustrie: Bleichanlagekomponenten – chlorhaltige Bleichlösungen greifen Edelstahl massiv an

Meerestechnik und Offshore

In der Meerestechnik ist Titan das Korrosionsschutz-Material schlechthin. Keine andere metallische Konstruktionswerkstoff bietet in Salzwasser vergleichbare Langzeitbeständigkeit ohne Anodenschutz oder Schutzanstriche.

  • Meerwasser-Wärmetauscher: Titanrohre und -platten – Grade 2 ist seit den 1970er-Jahren Industriestandard
  • Offshore-Rohrleitungsfittings: Flansche, Krümmer, Reduzierer aus Titanplatten – 30 Jahre ohne Wartung möglich
  • Tiefseekabel-Gehäuse: Titanplatten als Schutzgehäuse für Wiederholerstationen von Unterseekabeln
  • Tauchgeräte und U-Boote: Druckkörperplatten, Batteriegehäuse, Instrumentengehäuse
  • Kühlwassersysteme in Küstenkraftwerken: Kondensatorkammern aus Titanblech 2–3 mm

Architektur und Design: Titanblech als ästhetisches Material

Seit dem Guggenheim Museum Bilbao (1997) von Frank Gehry, dessen Fassade komplett mit Titanblech verkleidet ist, hat Titan in der Architektur eine neue Rolle eingenommen. Das silbrig-matte Erscheinungsbild, die Möglichkeit zur farbigen Anodisierung und die nahezu wartungsfreie Langlebigkeit machen Titanblech zur Premium-Wahl für repräsentative Fassaden.

  • Fassadenverkleidungen: 0,4–0,6 mm Titanblech auf Unterkonstruktion – extrem leicht und ohne Schutzanstrich wartungsfrei
  • Dachdeckungen: Besonders in Küstenregionen, wo Edelstahl durch Chloride angegriffen wird
  • Skulpturen und Kunstinstallationen im Außenbereich: Langlebigkeit ohne Rostspur, jede Oberflächenoptik durch Anodisierung möglich
  • Luxusinterieur: Titanbleche für Tischplatten, Wandverkleidungen, Designelemente in Hochseeyachten
  • Designeruhren und Schmuck: Titanblech als Rohling für CNC-gefräste Uhrengehäuse

Verarbeitung von Titanblech Grade 2 – Praxiswissen für optimale Ergebnisse

Die Verarbeitung von Titanblech Grade 2 ist möglich – aber anders als bei Stahl oder Aluminium. Wer die besonderen Eigenschaften von Titan kennt und seine Prozessparameter entsprechend anpasst, erzielt ausgezeichnete Ergebnisse. Wer es wie Stahl behandelt, rät an falschen Parametern und erhält schlechte Schnitt- und Biegeergebnisse.

Zuschnitt und Sägen – Werkzeuge und Parameter

Wasserstrahlschneiden – die beste Methode für Titanblech:

  • Keine Wärmeeinbringung: Gefüge und Eigenschaften bleiben vollständig erhalten
  • Keine Oxidation: TiO₂-Schicht wird nicht zerstört
  • Enge Toleranzen: ±0,1 mm erreichbar – auch für komplexe Konturen
  • Alle Dicken bearbeitbar: Von 0,3 mm bis 8 mm problemlos
  • Bei Evek auf Anfrage verfügbar für Titanblech-Zuschnitt 

Kreissägen und Bandsägen:

  • HM-bestücktes Blatt mit feiner Zahnung (3–4 Zähne/Zoll für 1–6 mm)
  • Schnittgeschwindigkeit: 30–60 m/min – langsamer als bei Stahl
  • Reichlich Kühlmittel: Emulsion oder synthetisches Schneidfluid – niemals trocken
  • Kein Stocken: Gleichmäßiger Vorschub verhindet Klemmen und Aufbauschneide

Laserschneiden:

  • Faserlaser bevorzugen: Titan absorbiert Faserlaser-Wellenlänge (1070 nm) gut
  • Schutzgas: zwingend Stickstoff (N₂) oder Argon – kein Sauerstoff (O₂ führt zu Titanfeuergefahr bei Lasertemperaturen)
  • Bis 3 mm: sehr gute Ergebnisse möglich; ab 4 mm Wasserstrahl bevorzugen

Biegen und Umformen von Titanblech Grade 2

Grade 2 ist das am besten umformbare Titanmaterial. Es lässt sich tiefziehen, rollformen, strecken und biegen – allerdings erfordert die höhere Rückfederung und die geringere Duktilität im Vergleich zu Stahl eine Anpassung der Prozessparameter.

Biegen – Praxiswerte für Grade 2:

  • Mindestbiegeradius kalt: r ≥ 2×t (t = Blechdicke) für Querrichtung; r ≥ 2,5×t für Längsrichtung (wegen Textur)
  • Rückfederungswinkel: 15–20° bei 90°-Biegung – Kompensation durch Überbiegen auf 105–110°
  • Kaltbiegen bis 3 mm: problemlos mit Abkantpresse; Werkzeugkanten gerundet, min. r₀₇₅ = 2 mm
  • Warmbiegen ab 4 mm: Erhitzen auf 300–500°C; Rückfederung reduziert sich auf ≤10°; in Luft möglich, aber Oxidverfärbung einplanen
  • Werkzeugmaterial: Keramik, Hartmetall oder gehärteter Stahl mit Gleitschicht – kein weißes Reibfressen
  • Schmierung: Chloridfreies Öl oder PTFE-Trennfolie – chlorhaltige Mittel führen zu Spannungsrisskorrosion

Tiefziehen von Grade 2 Titanblech:

  • Max. Ziehverhältnis βₘₐₓ: ca. 1,8 ohne Zwischenglühen (Stahl: 2,0–2,2)
  • Blankhalterkraft: niedriger als bei Stahl; zu hohe Kraft führt zu Frükeln
  • Ziehring-Radius: mind. 6×t für schmierungsarmes Ziehen
  • Zwischenglühen: bei über 40 % Kaltumformung Glühen bei 700–800°C unter Schutzgas oder Vakuum
  • Stempel-Werkstoff: Hartmetall oder POM-Kunststoff (reduziert Reibung und Kaltverschweißen)

Schweissen von Titanblech Grade 2

Grade 2 ist gut schweissbar – besser als Grade 5, da die Alpha-Struktur keine Phasenumwandlungen beim Abkühlen zeigt und daher keine Rissneigung durch Martensitbildung besteht. Die einzige zwingende Bedingung: Inertgas-Schutzatmosphäre.

WIG/TIG-Schweissen – Schritt-für-Schritt:

  • Schutzgas: Argon 4.8 oder besser (Reinheit ≥99,998 %); Helium-Argon-Gemische erhöhen Einbrandtiefe
  • Schleppdüse verwenden: Nachabdeckung der abkühlenden Naht bis unter 400°C mit Argon
  • Badschutz auf der Wurzelseite: Badschutzschiene oder Purge-Box mit Argon-Spülung
  • Schweissnahtfarbe prüfen: Silber = optimal; goldgelb = akzeptabel; blau = Fehler, mechanisch entfernen
  • Wärmeeinbringung minimieren: Stringer-Technik, keine Pendelschwingung; Wärme vermeiden
  • Elektrode: Wolframelektrode (WT20 oder WC20), Spitze angeliffen; Kontamination vermeiden
  • Zusatzmaterial: Titandraht Grade 2 (Ø0,8–1,6 mm); Mischverbindung mit Stahl ist unzulässig

Was beim Schweissen von Titan verboten ist:

  • Kein Schweissen in normaler Umgebungsluft – auch dünnste Kontamination mit Sauerstoff oder Stickstoff macht Naht spröde
  • Keine chlorhaltigen Reinigungsmittel – Aceton oder Isopropanol zum Entfetten
  • Kein Kontakt mit Kupfer, Blei oder Zink – Bildung spröder Intermetallika beim Schweissen
  • Keine MIG/MAG-Verfahren mit CO₂-haltigem Schutzgas

Titanblech Grade 2 kaufen bei Evek – Preise, Zuschnitte und Bestellung

Das Titanblech Grade 2 0,3–8 mm 3.7035 Platten Zuschnitt ist bei Evek ab Lager verfügbar – vom hauchdünnen 0,3-mm-Blech bis zur 8-mm-Konstruktionsplatte. Der Bestellprozess ist einfach und transparent: Dicke wählen, Maße eingeben, tagesaktuellen Titanblech Preis prüfen und bestellen.

Titanblech Preis – Einflussfaktoren im Detail

  • Rohstoffkosten: Titan-Schwamm (aus Kroll-Prozess) schwankt mit Energiepreisen und Nachfrage; Luft- und Raumfahrtnachfrage ist dominierender Marktfaktor
  • Dickenabhängigkeit: Dünnere Bleche (0,3–1 mm) kosten mehr pro kg als dicke Platten (4–8 mm) – Walzaufwand steigt mit abnehmender Dicke
  • Titanblech 1mm Preis: deutlich höher pro kg als 3 mm, aber geringeres Gesamtgewicht pro m²
  • Zuschnittkosten: Standardzuschnitte (rechteckig) günstiger als Konturzuschnitte; Wasserstrahl auf Anfrage
  • Zertifizierungsaufpreis: Werkstoffzeugnis EN 10204 Typ 3.1 ist Standard; AMS oder ISO 5832-Zeugnisse auf Anfrage
  • Mengenrabatt: Ab ca. 5 kg Gesamtgewicht der Bestellung; Kontrakt«d rab für Regelabnehmer auf Anfrage

Bestellung in 7 Schritten bei Evek

  1. Titanblech Grade 2 0,3–8 mm 3.7035 Platten Zuschnitt im Evek-Shop aufrufen
  2. Gewünschte Dicke aus dem Spektrum 0,3–8 mm wählen
  3. Zuschnittmaße eingeben: Breite × Länge in mm (je 100–1000 mm)
  4. Stückzahl festlegen
  5. Tagesaktuellen Titanblech Preis prüfen (automatisch berechnet)
  6. Werkstoffzeugnis-Anforderungen prüfen – Standardlieferung mit EN 10204 Typ 3.1
  7. In den Warenkorb legen und Bestellung abschließen – Lieferung ab Lager

Für Sonderanfragen – Formate über 1000 mm, Wasserstrahl-Konturzuschnitte, Luftfahrt- oder Medizintechnikzertifizierungen, Großmengenlieferungen oder regelmäßige Abrufaufträge – wenden Sie sich direkt an das Evek-Vertriebsteam. Wir beraten Sie kompetent und erstellen Ihnen ein individuelles Angebot.

Fazit: Titanblech Grade 2 – das universelle Hochleistungsblech bei Evek

Titanblech Grade 2 (3.7035) ist die vielseitigste und meistgekaufte Titanqualität weltweit. Seine Kombination aus hervorragender Korrosionsbeständigkeit, absoluter Biokompatibilität, guter Umformbarkeit und einer spezifischen Festigkeit, die Stahl und Aluminium übertrifft, macht es zur ersten Wahl in der chemischen Industrie, der Medizintechnik, der Meerestechnik und der Architektur.

Ob Titanblech 1 mm für leichte Gehäusebleche, Titanblech 2 mm für Reaktorauskleidungen oder Titanblech 3 mm als Halbzeug für Flansche und Druckbehälter – bei Evek finden Sie das gesamte Dickenspektrum von 0,3 bis 8 mm als Zuschnitt nach Maß im Format 100 bis 1000 mm. Tagesaktueller Titanblech Preis, schnelle Lieferung aus eigenem Lager und Werkstoffzeugnis nach EN 10204 als Standard – das ist das Evek-Versprechen für Titanblech.

Bestellen Sie jetzt Titanblech Grade 2 im Evek-Shop: Dicke wählen, Maße eingeben, Preis prüfen und bestellen. Für alle Fragen zu Werkstoffeigenschaften, Normen, Verarbeitung oder Sonderwunschen steht das Evek-Metallexperten-Team zur Verfügung.



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